Eine Frage der Ehre

  • 0
  • September 8, 2011
Wie ich ja bereits erwähnte, arbeite ich mit vollem Einsatz an meiner Entwicklung vom, na, ja, sagen wir Funky Housewife zum ernstzunehmenden Rockstar.
Gut, die Bandgründung mit den Pfandflaschensammelprofis lässt sich ein wenig zäh an aber das liegt nun wirklich nicht an mir.
Dafür habe ich mein Einkaufsverhalten meinem neuen Image angepasst, Taschengeld wird jetzt nicht mehr in Schuhe und Handtaschen investiert, sondern beim Plattenhändler verballert (und zwar konsequent und flächendeckend, wie der Kenner dem Photo entnehmen dürfte).

Wie wir alle wissen, steht dem gemeinen Star ein wenig Charity immer gut zu Gesichte.
Weil ich aber noch nicht soweit bin, dass ich halb Malawi mit neuen Autobahnen oder Bibliotheken ausstatten kann, hab ich mir gedacht, ich fang mal klein an und mach in Ehrenamt.
Mal ehrlich, n paar Stunden in der Woche kann doch wirklich jeder abzwacken, um diese Welt zu einem besseren Platz zu machen, oder?
Und Skrupel, einem ausgebildeten Pädagogen oder einem armen 1Euroschlucker den Job wegzunehmen, muss auch niemand haben. Gut, du sorgst mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dafür, dass da, wo’s Not täte, garantiert keine neuen Stellen geschaffen werden, aber man kann sich schliesslich nicht um alles kümmern, gelle!?
Nicht unerwähnt sollte das horizonterweiternde Element des Ehrenamtes bleiben. Mit ein bisschen sozialer Trittsicherheit erfährst in kürzester Zeit Dinge, die du eigentlich garnicht wissen wolltest.
Jetzt sollte die Geschichte ja so funktionieren, dass man sich mit einer seiner Kernkompetenzen irgendwo unentgeltlich einbringt. Das mit dem „irgendwo“ war einfach, im Hospiz werden immer Ehrenamtliche gebraucht. Das mit den Kernkompetenzen war dann schon schwieriger. Mit dem Gitarrespielen bin ich ja erst am Anfang, von Kernkompetenz also noch keine Rede. Ich kann ausdauernd rennen und ne Kerze, damit kann aber keiner in nem Hospiz was mit anfangen. Kam also auch nicht in frage. Na gut, kochen geht bei mir als Kompetenz gerade noch so durch, also ab in die Küche!
Und wer hat noch nicht von dem Typen gehört, der in Sterneküchen gekocht hat bevor er in einer Hospizküche begann, den Gästen in deren letzter Lebensphase ihre kulinarischen Wünsche nach Möglichkeit zu erfüllen? Macht also Sinn, von wegen Lebensqualität und so.
Na, ja, ich mach’s ab jetzt mal kurz. So einen Frass, wie ich ihn bei meinem ersten und auch letzten Einsatz in dieser Küche gesehen habe, kannte ich höchstens vom Hörensagen (ich muss Gott sei Dank keine Kantine für meine Verpflegung bemühen). Zum Thema Horizonterweiterung:
jetzt weiss ich, dass Gebilde, die wie orangene Peelingschwämme aussehen, in Wirklichkeit gefrorene Cordon Bleus sind. Eine Fleischbrühe braucht nicht zwingend viel Fleisch, mit vier, fünf Brühwürfeln kriegt man das genauso gut hin und Tiefkühlbrokkoli entwickelt sein ureigenstes Aroma am besten ohne irgendwelche störenden Gewürze (um nur einige Erkenntnisse zu nennen).
Nein, ich hab (leider!!!!) keine Photos gemacht, möglicherweise wäre das auch nicht im Sinne eines gesunden Verdrängungsprozesses gewesen.
Klar, mit Hospizessen Lebensgeister wecken wollen, klingt schon nach nem echten Schenkelklopper aber irgendwas Frisches, das die Sinne anregen könnte, finde ich in dieser Situation mehr als angemessen.
Und kommt mir jetzt nicht mit: könnte man nicht hier und da ein bisschen verändern?
NEIN! KANN MAN NICHT!
Da ist eine Matrone am Werk, die vor vierzig Jahren Hauswirtschaft gelernt hat, die verändert nichts!
Da ist ein kirchlicher Träger am Werk, der sowohl Mitarbeiter als auch Gäste im Sinne bester Gewinnmaximierung über den Leisten zieht, da wird nichts verändert!
Die einzigen, deren Lebensqualität ich mit meiner Arbeit somit verbessern könnte, wären ergo die Hauswirtschafterin und die Geschäftsführung, also Zielgruppe verfehlt!
So, zum Schluss möcht ich’s wenigstens hier schön haben!
Ein Geschenk von Mademoiselle
Pochierter Fisch auf Salat

                                            

About ralf

2 Comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Current ye@r *