Einen habbich noch

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  • Februar 17, 2010

Aus meiner Zeit als cavewoman (eine Woche ohne Internet und Telefon, ihr erinnert euch?).
Pasta mit Miesmuschel oder wie’s bei Jamie Oliver heisst: „Linguine mit Muscheln von Opa Contaldo“, ich kann mir nicht helfen, irgendwie klingt das morbid in meinen Ohren, aber lassen wir das…
Der Tag war bereits über Gebühr erfüllt von meinem Verdruss über a) anhaltende und nachhaltige Kommunikationsdefizite, sowie b) anhaltenden und nachhaltigen Niederschlag in Form von Schneeähnlichem. Da Alkoholabusus deutlich vor Sonnenuntergang in solchen (wie auch anderen Fällen) zu keiner Lösung führt, Frustkäufe von tiefer Reue verfolgt werden, um nur zwei abwegige Bewältigungsbeispiele zu nennen, zog ich es vor, mein Seelenheil beim Blättern in Kochbüchern teilzurestaurieren. Nach winterlicher Kost war mir überhaupt nicht zumute, dewegen J. O’s „genial italienisch“ zur Hand. Was das Buch an Genialischem mitunter vermissen lässt, macht es immerhin durch die netten Geschichtchen wieder wett, und die von dem 94jährigen Oppa, der sich das Kochwasser für die Pasta wenn’s geht, direkt aus dem Meer holen lässt, kann einen an solchen Tagen schonmal aufheitern( Hilfe, wo sie herkommt, sag‘ ich da nur!).
Also, wenn der Oppa Besuch hat, schickt er den los, um Wasser zu holen. Ich frage mich, welche Geschmacksexplosion wir erlebt hätten, wenn ich statt dessen – das Meer ist zumindest im Moment noch recht weit von uns entfernt – den Schnee vom Hof im Topf geschmolzen hätte, ist ja irgendwie auch ’ne archaische Vorstellung und Stoff für’n Kochbuchbestseller allemal, oder?
Aber zurück zum Oppa Contaldo. Seine Miesmuscheln lässt er am Strand sammeln, in diesem Fall von J. O., ich hab sie von Edeka geholt. Dabei ist mir ausser einer dritten Lage Schneeränder an den Schuhen nix erwähnenswertes passiert, also auch keine Story für’n Kochbuch. Wenn das so weitergeht, wird’s ein ziemlich dröger Schinken, fürcht‘ ich! (Famous in 15 minutes seh‘ ich da noch nicht.)
Also, der Oppa erhitzt sein bestes (vermutlich nicht alles) Olivenöl bei mittlerer Temperatur in einem Topf und gibt eine fein geschnittene Knoblauchzehe, etwas zerkrümelten getrockneten Chili und eine Sardelle dazu. Der Knofi darf fast brutzeln aber keine Farbe annehmen, die Sardelle darf zerschmelzen. Dann zerdrückt er ein paar reife Tomaten über dem Topf, die sich mit dem Öl brav zu einer feinen Sosse verbinden. Ich hatte keine Sardellen mehr im Haus und vernünftige Tomaten hab‘ ich auch nicht gefunden. Deshalb a) für die, die sowieso keine Sardellen mögen: es geht auch ohne, und b) gute Dosentomaten tun’s auch.
Jetzt kommen die Muscheln dazu (Deckel drupp) und werden gegart, bis sie sich geöffnet haben, die geschlossen bleiben: vade retro! Zum Schluss kommt noch eine Hand voll gehackter Petersilie drüber. Die Pasta wird 1 Minute, bevor sie al dente ist, abgeschüttet und mit etwas Kochwasser zu den Muscheln gegeben, der Oppa macht’s andersrum, aber so geht’s auch. Nochmal abschmecken und etwas Olivenöl drüberträufeln, fertig!
Dazu haben wir uns gut gekühlten Badener Rosé gegönnt, jaja, a) Alkohol ist keine Lösung, b) man kann auch trinken ohne Spass zu haben und c) lustig ohne Alkohol geht auch.
Fazit: nachkochen, bevor die Saison zu Ende geht. Prädikat: stimmungsaufhellend.

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