How to treat a steckrübe in order to overcome a childhood trauma (or so)

  • 0
  • Februar 22, 2013

Ich hab’s vor längerer Zeit schon mal an dieser Stelle thematisiert und nebenbei gelobt, solches nie wieder zu tun. Aber komm, lass Nachsicht walten, einmal geht noch, oder!?
Also, once n for all; die Kochgepflogenheiten derer, die unglücklicherweise mit meiner Erziehung beauftragt worden war, haben mich das Beten gelehrt.
Die Eintöpfe, die unter der Woche gereicht wurden, wurden im Vorfeld als Drohung anmoderiert und man tat gut daran, sie als solche ernst zu nehmen.
Details sind in diesem Zusammenhang eine zu vernachlässigende Größe. Daher begnüge ich mich mit einem groben Ranking des Grauens.
  • 5.-3. Kreis der Hölle: Möhren, Sauerkraut, und Graupeneintopf (beim Möhreneintopf erinnere ich mich gut, dass man zumindest eine heimliche Teilentsorgung durch das Haustier unter dem Esstisch, in diesem Fall ein Pinscher mit Hämorrhoiden, durchführen konnte.)

  • 2. und 1. Kreis der Hölle: Möhren, Sauerkraut, und Graupeneintopf und?????
  • Richtig: Steckrübeneintopf!!!!
Wie gesagt, sparen wir uns, rücksichtsvoll wie ich bin, die Details und wenden uns den konstruktiven Fragen zu.
Als da wären:wieviel Sadismus, Menschenverachtung oder meinetwegen auch Selbsthass muss jemandem innewohnen, der/die es sich zum erklärten Ziel macht, aus jeder sogenannten Mahlzeit eine ausgewachsene kollektive Bußeleistung für das eigene verschissene Leben werden zu lassen
(A propos Buße: wegen ungebührlichen (nicht)Essverhaltens hatte ich mehr als einmal das Vergnügen, während der sogenannten Mahlzeiten in einen recht winzigen Toilettenraum gesperrt zu werden. Meine einzige Aufgabe in diesen Momenten bestand darin, heftigst Betroffenheit zu mimen, will heissen, wie am Spieß zu brüllen, mich scheinbar in mein Schicksal zu fügen, den Dreck im Klo runterzuspülen und die halbe Stunde Alleinsein zu geniessen. Hach, Stanislawski hätte seine Freude an mir gehabt!)

Wieviel Sadismus, Menschenverachtung oder auch meinetwegen Selbsthass muss jemandem innewohnen, damit er/sie es schafft, aus, doch eigentlich ganz harmlosen Stoffen wie Möhren, Sauerkraut, Graupen und Steckrüben Substanzen zu kreieren, die bereits in einem Kind die Neugier auf das Jenseits erwecken?

Und, merkst du was? Wenn dir bis jetzt noch nicht ganz klar war, mit wem du’s hier zu tun hast, jetzt weisst du’s! Ich bin DIE, die weder Tod noch Teufel fürchtet, ich bin DIE, die in diesem Winter schon dreimal Steckrüben gekauft UND zubereitet hat. Ich bin DIE, die Steckrüben und ihr wundervoll butteriges, nussiges Aroma wunderbar findet. Ich bin DIE, die ihre Familie mit Steckrüben begeistern kann und sagt: „Fuck the trauma, let’s prepare the steckruebe!“

Rübe schälen und in Würfel schneiden. Mit etwas Knoblauch in Olivenöl andünsten, frischen Thymian hinzugeben, mit Weisswein ablöschen und einköcheln lassen. Mit Gemüsebrühe auffüllen und die Reste der Lieblingspasta darin garkochen. Es sollte zum Schluss kaum noch Flüssigkeit im Topf sein. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und beispielsweise mit Portulak garnieren.
 

About ralf

One Comment

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Current ye@r *