Ich bin sportverletzt

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  • März 18, 2011
und deshalb grantig. Seit fast zwei Monaten hat mein Programm für Leibesübungen wieder ein beruhigendes Gleichmass angenommen. Ein Tag Lauftraining, ein Tag Indoor Workout, ein Tag Lauftraining usw.
Menschen brauchen sowas. Eine Welt, die sich durch sich selber erklärt.
Dienstag ist nicht Dienstag aufgrund irgendeiner kalendarischen Annahme, die eh auf tönernen Füssen steht. Nein, Dienstag ist, weil Indoortraining ist, oder so.
Eben wie im Waldorfkindergarten, da weisst du auch, dass Donnerstag ist, weil’s Vollkornpizza gibt, oder so.
Na ja, wie auch immer, mit dem Gleichmass ist’s erstmal vorbei. Ich habe eine Sportverletzung, genauer gesagt, eine Muskelzerrung an der rechten Wade. Indoor geht, weil ich auf dem Rebounder eine andere Lauftechnik anwende, Outdoor geht nicht.
Immerhin sind Sportverletzungen das Adelsgeschlecht im Volk der körperlichen Malaisen.
Der gemeine Hexenschuss, zugezogen beim z.B. Heben von Blumenpötten hingegen ist der Dreckspöbel, gibt in der B Note und als Stoff für Smalltalk nix her.
Sportverletzungen hingegen sind von grosser Erhabenheit.
Ausgenommen der Fall, du bist beim Laufen über deine eigenen Füsse gestolpert und hast dich auf die Fresse gelegt.
Ausgenommen auch die Steissbeinprellung, weil dir beim Platznehmen auf dem Rudergerät der Sitz weggerutsch ist.
Wenn du deinem Partner beim Squash die Brille mit dem Schläger zerdepperst, so dass er in die Notaufnahme muss, liegt das in einer Grauzone und ihr müsst selber entscheiden, ob es sich um ein hehres Sportereignis handelt oder ihr euch schlichtweg wie Pat und Patachon benommen habt.
Kommen wir aber zu den Blaublütern. Da wäre z.B. die gemeine Muskelzerrung (so eine, wie ich sie habe!), die man sich beim Lauftraining zugezogen hat. Interessierte Zeugen (z.B. Hundehalter) wissen in der Regel nicht, ob dir das bei Kilometer 5 oder 105 passiert ist und du hältst sie darüber auch hübsch im Unklaren, verstanden? Schaudernde Bewunderung erntest du, wenn die Uhr erst die allerfrühesten Morgenstunden anzeigt (merke: auch hier ist Timing alles!). Selbstverständlich musst du bei deinem Rückweg im vollen Läuferornat darauf achten, nicht für einen Walker gehalten zu werden. Da brauchst du mindestens 3 Jahre, bis über diesen Eindruck das Gras des Vergessens gewachsen ist. Will sagen: der Schaden ist fast nicht mehr gut zu machen.
Nein, du gibst dem Schmerz in seiner ganzen Grossartigkeit nach und bewegst dich gefälligst wie
dereinst die Unglücklichen, die mit schwersten Schussverletzungen dem Kessel von Stalingrad zu entkommen trachteten. Sollten dir wider Erwarten um diese Uhrzeit Bekannte begegnen, ist dein Weg zur Legende unaufhaltsam. Allen anderen implantierst du auf unabsehbare Zeit ein schlechtes Gewissen weil sie sich zwangsläufig fragen werden, warum sie morgens um zwanzichnachacht vielleicht Wasser in den Beinen aber dort noch lange keine Zerrung haben.
Endlich zuhause angekommen, brauchst du nur noch ein paar rhethorische Plattheiten, um auch bei deinen Lieben zu punkten.
„Is nix, wird schon wieder, kannich mit umgehen, ma ein Tach Pause machen, Mensch, da kommt gezz Tigerbalsam drauf, is keine grosse Sache“ dürften wohl in dieser Situation die gängigsten sein.
Allerdings ist auch hier ein wenig Fingerspitzengefühl das Gebot deiner grossen Stunde. Nicht soweit übertreiben, dass niemand mehr auf die Idee käme, dir die Einkäufe o. ä. abzunehmen, hörst du!?
Und wenn du dann noch, wie ich, nicht mit dem Kopp zuerst auf den Asphalt geknallt bist, setzt du dem ganzen am Abend noch die Krone auf. Ich sag nur: „ Wie kann man denn mit solchen Schmerzen noch so kreativ sein??“
Du tust also das Folgende:
stell sicher, dass
1 Wirsing
4 rote Zwiebeln
etwas Landschinken
3 Birnen
Walnusskerne
1 Rolle Ziegenkäse
Gewürze (Pfeffer, Salz, in meinem Fall noch Ras El Hanout)
etwas Traubenkernöl,
1 halber Becher Sahne
Mehl, Eier, Wasser im Haus sind.
(Gut wäre auch, wenn die Statdtwerke deine Stromversorgung nicht beeinträchtigen!)
Aus ca. 200 Gramm Mehl, 2 Eiern, etwas Salz, Öl und Wasser fertigst du quasi einen Flammkuchenteig. Den lässt du eine Weile ruhen.
In der Zwischenzeit schneidest du die Zwiebeln in feine Streifen, den Schinken in feine, die Birnen in grobe Würfel. Die Schinkenwürfel brätst du in einer Pfanne mit dem Öl an und gibst dann Zwiebeln und Birnen dazu. Alles zusammen auf kleiner Flamme ca. 10 Minuten garen, dann die gehackten Walnusskerne dazugeben, mit den Gewürzen abschmecken.
Während du die Wirsingblätter blanchierst, kannst du schonmal den Teig (nicht allzu dünn) ausrollen.
Die blanchierten Blätter kurz mit kaltem Wasser abschrecken und danach trockentupfen.
Dann fettest du eine runde Form leicht ein und legst sie mit dem Teig aus.
Jetzt schön schichten, eine Lage Wirsingblätter, eine Lage Zwiebel-Birnen-Speckmasse usw. Die Sahne verquirlst du mit einem Ei und giesst sie über dein zukünftiges Kunstwerk.




Zum Schluss belegst du die Quiche mit Scheiben von der Ziegenkäserolle und schiebst sie für 30 bis 40 Minuten in den vorgeheizten (200 Grad) Backofen.
Eins ist sicher: ob mit oder ohne Zerrung, der Punkt wird an dich gehen!






















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