Kaninchen mit Fiege

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  • September 27, 2010

Ich bin bekennende Facebookaktivistin, was für einen nicht unerheblichen treuen Blogleserstamm nichts Neues ist. Nun ist es zuallerletzt meine Absicht, die ewig nörgelnde Ichwillnichtjedenpupslesenfraktion oder die Berufsnostalgiker (gingfrüherauchohne) von den Vorzügen dieses Netzwerkes zu überzeugen, aber ich komme auch nicht umhin, an dieser Stelle doch wenigstens einen kleinen Eindruck meines ganz persönlichen Mehrwertes zu hinterlassen.
Da wäre zum einen die Tatsache, dass mir am Samstagmorgen vor dem Marktgang mit einem raschen Blick die Beilagenfrage fürs Abendessen erleichtert wird. (In diesem Fall Hokkaido-Pastinakenstampf bei Arthurs Tochter)
Zum Anderen werde ich in unglaublich dynamischer Weise zum Beispiel mit Lesetipps, Informationen über das öffentliche Leben, Veranstaltungshinweisen, Beautytutorials und Vielem mehr versorgt.
Das alles wäre ja schon Grund genug, sich richtig aufgehoben zu fühlen, aber so richtig muckelig fühle ich mich in meinem Netzwerk seit gestern abend. Hätte ich, ganz meinen Gewohnheiten folgend, den Fernseher nach dem Tatort ausgeschaltet, hätte ich niemals die Anne Will Show gesehen. Gut, meinen vegetativen Regulationsvorgängen wäre das zuträglicher gewesen. Allerdings hätte ich mich vielleicht auch nicht bemüßigt gefühlt, öffentlich über, sagen wir, politisch motivierte Gewalt nachzudenken. Und dann hätte ich ja nicht diese zahlreiche positive und verständnisvolle Resonanz bekommen, die es macht, dass ich mich seit heute noch ein bisschen wohler in meiner Community fühle.
Da dieses Blog aber Kochplattenteller und nicht etwa Pflastersteinzwille oder gar Sprengsatzstübchen heißt und wir in richtigen Zimmern und nicht etwa in irgendwelchen revolutionären Zellen hausen, hier jetzt ein nachgerade bürgerliches Rezept!

Kaninchen in Bochumer Bier mit Hokkaido- Pastinakenstampf
Man nehme:

2 Kaninchenläufe
1 Möhre
1 kleine Petersilienwurzel
3 Schalotten
1 Lauchstange (das Weisse davon)
1 Knoblauchzehe
Hühnerfond
10 braune Wiesenchampignos
1 Handvoll Reineclauden
Traubenkernöl
1 Flasche Bochumer Bier

Das Fleisch kräftig mit Salz und Pfeffer würzen und sanft anbraten, kurz warmstellen. Das kleingewürfelte Schmorgemüse (ohne die Champignons) im gleichen Bräter unter Rühren andünsten, das Fleisch obenauflegen, mit einer Tasse Hühnerfond ablöschen, den Fond aufkochen lassen, eine Flasche Fiege angiessen. Alles in den vorgeheizten Backofen (180 Grad) geben und dreissig Minuten ohne Deckel garen. Dann die in Scheiben geschnittenen Pilze und, nach weiteren zehn Minuten die entsteinten, halbierten Reineclauden dazugeben. Die Früchte sollten nur wenige Minuten mitgaren.

Für den Stampf einen halben Hokkaidokürbis und zwei Pastinaken in leicht gesalzenem Wasser garen (ich hab noch eine kleine Petersilienwurzel dazu genommen), abgiessen, ausdampfen lassen, mit Butter, Salz, Pfeffer und geriebenem Muskat zerstampfen.

Vor dem Servieren die Sosse evtl. mit Pfeffer und Salz abschmecken und bitte nicht so nen Raststättenteller wie ich fabrizieren, gelle!?

Toll fand ich, wie ganz einfache Zutaten ohne viel Schnickschnack drumherum derartig für sich sprechen können, z.B. das Pilzaroma und die fruchtige Süsse in der Sosse oder auch das leicht erdige Stampfaroma.
Nicht ganz so gelungen: meine Bierwahl. Weiss der Geier, warum ich mich für Schwarzbier entschieden hab, ich wollte doch noch ne leicht herbe Note da rein bringen, sei’s drum. Beim nächsten Mal nehm ich Fiege Pils, dann dürfte’s hinhauen.

About ralf

4 Comments

  • Boh, datt sieht echt lecker aus. Unsereins muss für den Urlaub sparen und dann sowatt.
    Gut, dass das mit der Pflastersteinzwille nicht wahr ist, Mensch ich parke doch quasi bei Euch vor de Hütte.

  • Claus sagt:

    Geht datt auch mit Veltins?

  • @ Claus. Ich würde mal davon ausgehen, dass Veltins dazu etwas zu süß ist. Ist halt ein Mädchenbier…

  • Frau L. aus B. sagt:

    Uppss, das ist ja gerade noch mal gut gegangen mit der Rückkehr ins Bürgerliche Bierstübchen.
    Beim Konsum der Sendung fand ich äußerste Vorsicht geboten, wirkte sie sich doch äußerst belastend für empfindsame (Magen)nerven aus – sei es vor oder nach dem Essen. Beim Essen sowieso. Aber beim Essen kucken ja auch nur Hartz IVer in die Röhre. (ja, ja , ich weiß, es gibt auch ganz wunderbare preiswerte Gerichte… die lernen die Kinder dann mit Bildungsgutschein zu kochen)

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