Sperrmüll in der Nordstadt

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  • Juli 11, 2011

„Zum Sperrmüll zählen sperrige Einrichtungsgegenstände aus Haushalten, die wegen ihrer Größe oder Beschaffenheit nicht in die zugelassenen Abfallbehälter passen und daher nicht mit dem Hausmüll in einer Mülltonne entsorgt werden können. Sperrmüll wird gesondert abtransportiert.“
Der trockene Wikipedia-Duktus vermag so gar nicht das multikulturelle Tohuwabohu einer Kellerentrümpelung in der Bochumer Nordstadt wiederzugeben, wie es sich gestern rund um die Mardermann-Mansions zutrug.
Aber von Anfang an. Eines Tages willst du was in den Keller bringen, gehst in einen der Abstellräume, stellst fest, dass dort kein Platz mehr ist, also trägst du den Mist in den nächsten. Allein, auch hier bietet sich das gleiche Bild. Es hat sich dermaßen viel Trash angesammelt, dass man einem ganzen Messi-Wohnblock damit ’ne ordentliche Freude machen könnte. Schweren Herzens beschliesst du, den Sperrmüll zu bestellen.

„Umweltservice Bochum!“
„Guten Morgen, ich möchte Sperrmüll bestellen.“
„Ja, kein Problem, wat ham se denn?“
„Ja, so’n paar alte Möbel, paar Regalbretter, ne Matraz…“
„Mooooment! So einfach geht das nicht, junger Mann. Das müssen wir schon genau wissen. Am besten gehen se mal in’s Internet, da is’ ne Liste, die können’se ausfüllen, und dann kriegen’se von uns ’n Termin zugewiesen.“

Hatte ganz vergessen, dass wir hier in Deutschland sind.
Der Termin war jedenfalls heute, aber glaub ma bloß nich, dat von dem Zeug auf der Liste noch viel übrig war.
Nachdem wir nämlich gestern Nachmittag bereits im Schweisse unserer Angesichter den ganzen Krempel erst aus’m Haus und dann an den Strassenrand expediert hatten, ging die Geschichte erst richtig kos:
Bei der letzten Fuhre steht schon ein junger Mann höchstwahrscheinlich türkischer Abkunft da, das Handy am Ohr, seinen Bruder mit dem Benz anzurufen, fragt, ob die alte Kompaktanlage noch geht. Klar sag ich, die geht noch, nur der Sound ist nicht so doll. Wie ich gerade wieder den Rückweg antreten will, kommt der nette Afrikaner aus’m Vorderhaus, Kompaktanlage erspähen, „Schmeisst ihr das Weg? Das nehm‘ ich mit!“ ausrufen und mit der Anlage unter’m Arm verschwinden ist eins. Sein anatolischer Konkurrent hat  nicht nur das Nachsehen, sondern auch das Handy schon wieder am Ohr und bestellt seinen Bruder wieder ab. Geht ab.
Erneuter Auftritt unser Mann aus Afrika, diesmal mit seinem ältesten Sohn, schnappen sich, nicht ohne vorher höflich zu Fragen, 3 Kinderklappstühle, zwei Paar Lautsprecherboxen.
Offensichtlich, genau kann ich’s leider nicht sagen, habe nicht den ganzen Tag daneben gestanden, muss es bis abends so weitergegangen sein.
Als ich spätnachmittags noch mal vorbeikam, waren die beiden Computer komplett ausgeschlachtet, ein Monitor, zwei klappbare Gästebetten, ein komplettes, 3m langes Regal (in Einzelteilen), ein Kinderbügelbrett, eine Schiefertafel und ein alter Scanner verschwunden. Dafür hatte jemand anders einen Wohnzimmertisch Marke Gelsenkirchener Barock und seinen alten Teppichboden dazugestellt.
Noch später am Abend, beim letzten Kontrollgang (jetzt wollte ich die Vorgänge auch zu Ende verfolgen…), hatte tatsächlich jemand anderes den Tisch wieder mitgenommen, und vom Puppenwägelchen stand nur noch das Unterteil da – jemand hatte sich offensichtlich die Mühe gemacht, das Körbchen oben abzumontieren. Von meiner ursprünglichen Liste, lieber Umweltservice Bochum, war also gerade mal noch ein Viertel übrig.

And now for something completely different: Avocadopesto!
Die Kommandantin Mardermann beschränkt sich ja, was die Küche angeht, neuerdings darauf, mir im Weggehen das eine oder andere Inspirationshäppchen zuzurufen, etwa „kuck doch mal bei Anke Groener, die hat neulich Avocadopesto gemacht!“
Klingt gut, denke ich, kann man mal machen. Allerdings hat Frau Groener, bzw. eine Bloggerin namens coolcat, von der das Originalrezept zu stammen scheint, meiner Meinung nach weniger ein Pesto unter ihre Nudeln gerührt als eine schlechte Guacamole mit Nüssen. Sorry, aber das kann (sogar) ich besser mache ich anders!

2 reife Avocados von Kern und Schale befreien
eine handvoll Walnüsse klein hacken
je eine gute Handvoll Petersilie und Basilikum hacken,
Saft einer Zitrone,
eine knappe handvoll grob geriebener Parmesan oder Peccorino
2 große Knoblauchzehen und 1 getrocknete Chili, in feinste Scheiben schneiden
Salz,
Olivenöl

Alles mit dem Stabmixer soweit pürieren, dass man die Walnussstückchen noch spürt, noch mal mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Das Ergebnis ist ein Pesto, dass durch die Avocado einen sehr interessanten, frischen Dreh bekommt, ohne das Charakteristische eines Basilikumpestos zu verlieren. Das Zeug ist so klasse, dass wir die letzten Reste davon noch heute morgen auf’s Brot gestrichen haben.

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One Comment

  • Claus sagt:

    Super, geht mir auch immer so. Ich verballer meine vier Kubik pro Jahr, alles wird anderweitig entsorgt, und ich kann dann im Restjahr nix mehr für lau rausstellen. Ist ein Scheiß-System…

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