Sushi-Klassiker im Ruhrgebiet: Sticks in Bochum

  • 0
  • Januar 23, 2010

And now for something completely different, um mal Monty Python’s Flying Circus zu zitieren: Kommando Mardermann geht essen! Auswärts!
Das „Sticks“ hat vor 16 Jahren im Alleingang die Sushi-Kultur in’s Ruhrgebiet gebracht und war meines Wissens damals das einzige derartige Haus in NRW ausserhalb der Japanhochburg Düsseldorf. Dass der Laden auch heute, wo es Sushi zumindest innerstädtisch quasi an jeder Ecke gibt, selbst in Krisenzeiten brummt wie eh und je, ist sicher nicht nur der gleichbleibend hohen Qualität des Essens, sondern auch dem zeitlos schnörkellosen, asiatisch strengen Ambiente geschuldet.
Vor dem Vergnügen stand aber ertsrmal die nicht ganz so harte Arbeit. Halb des Vergnügens und halb der Berufung wegen, hatten wir uns entschlossen, dem Gastspiel des TV-bekannten Comedians Bernhard Hoëcker im Riff-Club im zukünftigen Bochumer Kreativquartier beizuwohnen, damit ich später meiner Chronistenpflicht genüge tun konnte. War aber einigermaßen öde, so dass wir, das Riff vor der Zeit verlassend, schon eine Stunde vor der vereinbarten Zeit im Sticks aufschlugen.
Zum Glück war ein einziger Tisch noch frei, der sogar in der Raucherzone lag – Madame qualmt halt gerne! Nachdem man uns ein paar feuchtheiße Tücher auf die klammen Finger gelegt und wir die obligatorische Miso-Suppe genossen hatten, gab’s eine kleine Vorspeisenauswahl: der gekochte Spinat mit Sesam und japanischen Dressing (Horenso Gamaae) war schon fast zum reinsetzen, der scharf eingelegte Kohl (Kimuchi) ließ kein Auge trocken und der Porree Salat war in gleichem Maße scharf wie salzig. Ein schöner Auftakt.
Die gemischte Platte von Sushi, Nigiri und Maki, die Patron Wungdae Ro, der das Sticks ketzten Sommer von seinem Vater übernommen hat, für uns zusammenstellen ließ, übertraf kurzerhand mal all unsere Erwartungen. Sushi, Herrlich frischer, leckerer Thunfisch, Heilbutt und Widlachs, frittierte Garnelen, Avocados, Lachskaviar auf einer großen bootförmigen Holzschüssel angerichtet – und ich muß den Großteil von’s Ganze alleine essen, weil Madame früh schlapp macht. Danach noch ein frittiertes Banänchen und ich war kurz vorm Platzen, aber glücklich. Mittlerweile war es recht spät geworden und Herr Ro fand etwas Zeit zu einem kleinen Pläuschchen. Der 32jährige Herrscher über den Sushi-Klassiker macht eigentlich eher den Eindruck eines Kreativen aus der Werbebranche als den eines Gastronomen und betreibt tatsächlich in Barcelona, wo er einige Jahre gewohnt hat, mit Freunden eine Kommunikations- und Eventagentur. Seit er den Lladen übernommen hat, hat er ihn schon einer sanften Modernisierung und Umgestaltung unterzogen und für die Zukunft plant er gemeinsam mit seinem fünfundzwanzigjährigen japanischen Koch, der schon in Moskau und Dubai gekocht hat, ein wenig zu experimentieren. Beispielsweise haben sie schon Versuche mit Sushi in einem durchsichtigen Reisblatt statt Seetang gemacht.
Keine Experimente wird er bei der Qualität seiner Waren machen, ist doch das über 16 Jahre aufgebaute Netzwerk von Händlern aus aller Welt, die das Sticks etwa mit stets frisch und artgerecht gefangenem Thun oder Wildlachs versorgen, mehr als perfekt.
Und da Wungdae Ro auch noch von Events mit elektronischer Musik und Sushi-Büffet träumt und am liebsten seine Spanien-Connection nutzen möchte, um im Jahr der Kulturhauptstadt den einen oder anderen befreundeten Künstler in’s Bochumer Bermuda3Eck zu holen, kann man sich im und um’s Sticks noch auf Einiges gefasst machen.

About ralf

One Comment

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Current ye@r *