Und alle so: „meeahr!!!“

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  • März 26, 2010

Gestern nachmittag hat das Kommando in einem schonungslosen Selbstversuch die neurobiologischen Begleiterscheinungen von Einkauf im Zustand der starken Unterzuckerung untersucht. Gemeint ist nichts anderes, als: wir gehen fürs Abendessen einkaufen und haben jetzt schon einen Heidenkohldampf. Jeder, der das schon mal durchexerziert hat, weiss, zu welchen halluzinogen geprägten Irrsinnskäufen das unter Umständen führen kann.
Ein gelinder Frühlingswind führte uns diesmal nicht in die Richtung der bösen Brüder, sondern zu denen, die Lebensmittel genauso lieben, wie wir.
Hier ein kurzes Versuchsprotokoll vorab:

Beim Durchqueren der Schnellimbisszone im Entree steht’s noch 0:0 zwischen Frontallappen und limbischem System, kein Kunststück, der Heldentod liegt näher, als da schwach zu werden. Ab dann wird’s schwierig. Limbisches System, im Folgenden L. genannt, meldete Hunger, also Gefahr! Cortex, im folgenden mit C. bezeichnet interveniert und gemahnt zur Besonnenheit.
L. schlägt vor, doch schon mal einen Apfel zu verzehren, C. gemahnt zur Besonnenheit und weist auf die Konsequenzen hin (könnte als Ladendiebstahl usw…).
C. schlägt den Weg in Richtung Fleisch- Fischfrischetheke ein, indess L. sich für Kartoffelchips interessiert und Miracoli mit Heringsstip in den Bereich des kulinarisch Möglichen rückt.
C. versucht konzentriert zu bleiben, gleitet dabei aber in intensive Vortsellungen von rotem Fleisch ab, L. nutzt diesen Moment der Schwäche und schlägt vor, an einem Baguette doch wenigstens eine kleine Ecke abzubrechen. C. beisst die Zähne zusammen und heisst innerlich L. einen Loser, was L. jedoch unbeindruckt lässt. Gekonnt lenkt L. den Blick auf kleinste gefüllte Plastikschälchen, die an der Fischtheke aufgereiht sind, die Vorbereitung zum 1:0, Jacobsmuschelpromotion der Lebensmittelliebhaber! L. schlägt gnadenlos zu, C. beisst die Zähne zusammen und kann gerade noch bemerken: die Grundidee ist gut, aber Jacobsmuscheln in Ingwer- Safransosse könnten besser schmecken. L. ist das egal und rät, doch noch weitere 5 Probierschälchen zu verzehren. C. macht Pause und legt sich eine Strategie zurecht, die nicht Haus und Hof auf’s Spiel setzt. L. will Jacobsmuscheln für alle, C. schlägt eine Mischkalkulation vor. Spielstand 1:1, C. kauft Tintenfischtuben und vier Muscheln, derweil L. im Muschelprobierstupor verweilt.
C. gibt sich siegesgewiss, erliegt aber in Unkentniss der Sachlage einem schweren Fehler:
L. hat einen weiteren Promotionsstand entdeckt: heftig aufgeschäumte Kräuterfrischkäsemischung einer Molkerei aus dem Allgäu auf Brotscheiben. C. meint, zugegeben, etwas halbherzig, dass das nicht sein müsse, kann aber letzlich den Zugriff nicht verhindern und muss das 2:1 hinnehmen.
( Vorläufiges Protokollende)

Jetzt zum Rezept, gestern gab’s:

Spaghetti mit Tintenfischstreifen und gebratenen Jacobsmuscheln in Ingwer-Safransosse


2 Schalotten fein würfeln,
2 Tintenfischtuben in wirklich! feine Streifen schneiden,
250 ml Fischfond erhitzen, 1 Briefchen Safran darin auflösen.
1 Tl frischen Ingwer fein hacken.
Schalotten und Ingwer in einem El Butterschmalz andünsten, Tintenfischringe dazugeben,
mit 150 ml Weisswein angiessen, einköcheln lassen, dann den Fischfond dazugeben, einköcheln lassen.
Jacobsmuscheln im Querschnitt zerteilen und in einem El Butter kräftig anbraten, mit salz und Pfeffer würzen, herausnehmen und warm stellen. Im restlichen Bratfett 2 El Sesam goldbraun rösten.
150 Gr Creme Fraiche zu den Tintenfischringen geben, mit Honig, Zitronensaft, Pfeffer, Salz und einer Prise Curry abschmecken, weiter einköcheln lassen. Hier muss man dann wirklich ein bisschen jonglieren, bis die Sosse eine Tiefe hat, die mit dem leicht süsslichen Muschelfleisch einhergeht. Im Nachhinein würde ich für ein Lorbeerblatt plädieren, zum Beispiel…
In der Zwischenzeit Pasta bissfest garen.
Tintenfischringe mit der Sosse auf die Pasta geben, Muschelfleisch mit dem Sesam drumherumlegen.
Fazit: und alle so: siehe Überschrift!

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