Woche 12 auf der Kommandobrücke

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  • März 25, 2011
Montag
Pasta mit Salsiccia-Tomatensosse

Die zwei kleinen Schweinswürstchen sollten eigentlich am Samstag die Pasta mit Artischocken

begleiten. Warum sie das nicht getan haben, kann ich zum Zeitpunkt und beim besten Willen nicht rekonstruieren. Fakt war: Am Montag mussten sie weg. Fakt ist: eine, von der Familie Conilglio hausgemachte Salsiccia bringt genug Würzpotential mit sich, dass du als Köchin fast auf Autopilot schalten kannst. Ein frisches Lorbeerblatt, ein gehackte Zwiebel, Knoblauch, Rotwein und ne Dose Tomaten, hier und da noch etwas Feintuning, das war’s mehr oder minder.
Genauer gesagt, das könnte es mehr oder minder sein, wenn nicht
a) der Kommander den Beelzebub Anis schon lange zum Erzfeinde erklärt hätte.
b) Mademoiselle die Sosse viel!!! zu scharf fände.
Eintrag ins Logbuch: Leidensmine des Kommanders ertragen, Max und Moritz Teller für Mademoiselle angerichten, der grosse Wurf geht anders!
Dienstag
Resteessen vom Vortag. Diesmal nur Leidensmine vom Kommander, Mademoiselle isst auswärts.
Der Kommander trachtet den Beelzebub mit einer unethisch grossen Portion geriebenen Parmesans
zu neutralisieren.
Eintrag ins Logbuch: gibt Schlimmeres!
Mittwoch


Vollkornpasta mit frischem türkischen Spinat.

Verkaufsgespräch I:
Ich: schmeckt der anders als der italienische?
Verkäufer: jaa, viel! besser, viel!! kräftiger!
Ich: ah!
VerkaufsgesprächII an der Kasse:
Ich: beschreib doch mal den Unterschied…
Ladeninhaber: hmpf, ich kann keinen Unterschied schmecken. Aber unseren musse nich so viel waschen.
Ich: ah, gut!
Ich habe:
den Spinat dann wenig! gewaschen, trockengeschleudert und gehackt;
Sardellenfilets in Olivenöl geschmolzen, eine gehackte Zwiebel, Knoblauch, und Tomatenstücke
dazugegeben und gedünstet. Der Blick in die Pfanne, nachdem ich den Spinat dazugegeben hatte, besagte nix Gutes, jedenfalls nicht, was die Menge für vier Personen anbetrifft. Also musste eine Massnahme im Sinne der Verlängerung getroffen werden. Ich find’s grundsätzlich wenig reizvoll, mit Sahne in der Küche zu werkeln, weil’s meistens ein Stoff ist, mit dem du aus dem letzten Murks noch einen Gaumenschmeichler hinkriegst, aber in diesem Fall galt der Grundsatz vom Zweck, der die Mittel heiligt. Also: rinn damitt und nochmal kräftig mit Salz, Pfeffer und Muskat abgeschmeckt.
Eintrag ins Logbuch: ab und an mal Sahne is nix Schlimmes. Mademoiselle findet nach wie vor, dass Vollkornnudeln sich wie Sand im Mund anfühlen. Der Liebste von Mademoiselle stammt aus sehr gutem Hause, ist dementsprechend hervorragend erzogen und würde wohl erst unter Androhung körperlicher Strafen seine Meinung zu Vollkornpasta preisgeben. Der Kommander ist zufrieden. Ich freue mich auf die verzweifelten Hausfrauen, um dann doch bei den purpurnen Flüssen hängenzubleiben, Alltag eben.
Donnerstag
Es muss ein Highlight her, soviel steht fest!
Was tun?
Ich brauch im Moment kein Fleisch und gebe mich getreideaffin, ich plane irgendwas mit Quinoa.
Der Kommander fragt, was ich für das Abendessen plane. Ich sage: irgendwas mit Quinoa, vielleicht in Wirsingblätter eingerollt. Der Kommander hört nicht zu und sagt: welches Fleisch nimmst du denn dafür? Ich sage: eigentlich hatte ich kein Fleisch geplant. Die Vorstellung von Getreide scheint bei ihm eine Gemütsregung hervorzurufen, die er in Worte zu kleiden, nicht in der Lage ist. Seine Mimik ist dafür umso beredter. Ich freue mich auf’s Kochen und kaufe deshalb vorsichtshalber noch etwas Rinderhack. Die Wirsingköpfe sehen da wie dort abscheulich aus, kosten den vollen Preis und werden ersatzlos vom Speiseplan gestrichen. Ich freu mich immer noch auf’s Kochen und kaufe statt dessen grüne Paprika. Es gibt also gefüllte Paprika. Mit Getreide und etwas Fleisch, damit die liebe Seele Ruhe hat, wie mein Oppa gesagt hätte.
Das G E T R E I D E habe ich nach Packungsanweisung zubereitet, mit Rosinen, gehackter Petersilie und Fetawürfeln vermischt und mit einem Teelöffel Ras El Hanout gewürzt.
Das F L E I S C H habe ich mit Zwiebeln, Chili, Knoblauch und Kreuzkümmel leicht angebraten.
Anschliessend habe ich Fleisch und Getreide gemischt und in die ausgehöhlten Paprikaschoten gefüllt. Die wiederum kamen, mit etwas Brühe angegossen, bei 200 Grad für eine Dreiviertelstunde in den Backofen und wurden mit gesalzenem Yoghurt serviert.

Eintrag ins Logbuch: ich kann gefüllte Paprika! 50 Gramm Fleisch reichen, um von Getreide abzulenken und spätestens, wenn Jorge den Walk auf Skyeheels coacht kann ich mir über das nächste Abendessen Gedanken machen, Alltag eben.

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